Ausländische Studenten betroffen
Forschungsministerin Bär kritisiert Trumps Harvard-Kurs scharf
23.05.2025, 11:21 Uhr
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Die US-Heimatschutzministerin Noem spricht für Harvard ein Verbot für ausländische Studierende aus. Die Trump-Vertraute wirft der Elite-Uni „rassistische“ Richtlinien vor und wähnt jüdische Studierende in Gefahr. Harvard spricht von einer „Vergeltungsaktion“. Nun reagiert die Bundesregierung.
Mit Entsetzen hat Bundesforschungsministerin Dorothee Bär auf die Entscheidung der US-Regierung reagiert, der Harvard-Universität die Aufnahme ausländischer Studenten zu verbieten. Es sei eine „ganz, ganz schlechte Entscheidung gewesen“, keine Visa für Studentinnen und Studenten aus dem Ausland auszugeben, sagte Bär. „Ich hoffe sehr, dass die US-Regierung diese Entscheidung auch wieder rückgängig machen wird, weil sie wirklich fatal ist“, fügte die Ministerin hinzu.
Sie besorge „sehr, was in den Vereinigten Staaten momentan vor sich geht“, sagte Bär. Die jüngste Entscheidung „betrübt mich sehr“, verdeutlichte sie. „Das ist kein positives Signal, weder für die junge Generation noch für die freie Welt.“
Im Radiosender Bayern 2 nannte die Ministerin die Situation in Harvard zuvor „hochdramatisch“. Daraus ergebe sich für Deutschland und die EU eine besondere Verantwortung: Sie müssten die Wissenschaftsfreiheit schützen, „weil es eben nicht garantiert ist, dass das überall der Fall ist“. Bei einem Treffen mit den EU-Kolleginnen und -Kollegen in Brüssel möchte Bär darüber sprechen, „wie wir unsere Exzellenz-Strategie ausweiten können“, auch mit einer „europäischen Strategie“.
„Wir wollen natürlich, dass Europa der Forschungsstandort Nummer eins auch weltweit werden kann“, sagte Bär in Brüssel. Europa müsse jetzt „ein sicherer Hafen sein, ein sicherer Kontinent sein“. Sie gebe trotz allem „die Hoffnung nicht auf, dass auch The Land of the Free irgendwann dann auch wieder mal seinem Namen gerecht wird“.
„Forschungspolitischer Suizid“
Auch Ex-Gesundheitsminister und Harvard-Gastdozent Karl Lauterbach hat Pläne der US-Regierung zur Abweisung internationaler Studierender an der Elite-Universität kritisiert. Die Angriffe der Regierung von US-Präsident Donald Trump seien „forschungspolitischer Suizid“, sagte der SPD-Politiker, der seit dieser Woche auch den Forschungsausschuss des Bundestages leitet, der „Rheinischen Post“.
„Wenn ausgerechnet die wichtigsten und leistungsstärksten Universitäten absichtlich geschwächt werden, legt man die Axt an bei einem der bedeutendsten Pfeiler für die amerikanische Wirtschaft“, fügte er hinzu. Unzählige Unternehmen in den USA profitierten von dem Wissen, das Harvard-Absolventen mitbrächten. „Viele ausländische Harvard-Absolventen bleiben ja in den USA nach dem Studium“, sagte Lauterbach.
Wachsendes Interesse an deutschen Unis
Deutsche Universitäten erreichen nach Bärs Worten inzwischen mehr Anfragen von ausländischen Lehrkräften und Studierenden. „Wir merken schon jetzt, dass wir nicht nur aus den USA einen Zuspruch bekommen, sondern auch aus Ländern wie China, wie Indien, die normalerweise in die USA gegangen wären“, sagte Bär Bayern 2.
Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hatte zuvor der Harvard-Universität die Aufnahme ausländischer Studenten verboten. Die Elite-Universität nahe Boston habe dieses „Privileg verloren“, schrieb Heimatschutzministerin Kristi Noem am Donnerstag an die Hochschule. Sie begründete dies unter anderem mit der „Weigerung“ Harvards, ein sicheres Umfeld für jüdische Studierende zu schaffen, und mit den „rassistischen“ Richtlinien der Hochschule für Gleichstellung und Diversität.
Harvard nannte das Vorgehen der Regierung „rechtswidrig“ und sprach von einer „Vergeltungsaktion“. Die Universität müsse weiter die Möglichkeit haben, internationale Studenten und Wissenschaftler aufzunehmen. Sie kämen aus mehr als 140 Ländern in der ganzen Welt und bereicherten die Universität und das Land „unermesslich“.
Die „New York Times“ hat die Zahl ausländischer Studierender an Harvard mit 6800 beziffert. Das sei ein Anteil von etwa 27 Prozent an der gesamten Studierendenschaft.